Statistisch betrachtet schafft jedes dritte Kind den Sprung ins Leben nicht. Doch über dieses Thema wird kaum gesprochen. Viele Familien, viele Glaubensgeschwister trauern einsam. Am 23.11.24 fand in der Kirche in Hanau ein Tag für Sternenkinder, ihre Eltern und Familien sowie ihre Umgebung in den Gemeinden statt.
Alles begann mit einem Gespräch am Rande des Kirchentages in Karlsruhe: zwei Mütter, die ihr Kind verloren hatten, sprachen miteinander. Tränen flossen, ein Bruder kam hinzu – und es wurde der Wunsch wach, möglichst vielen betroffenen Familien in ihrer Trauer zu helfen. Es war die Geburtsstunde von „SternenLicht“. Dank intensiver Vorbereitung und mit großer Beteiligung von Betroffenen und vielen Helfern aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und England sowie den Vertretern von vier Hilfsorganisationen hat dieser Tag vieles für die Familien von Sternenkindern verändert.
Podiumsgespräch und Workshops
Der Tag begann mit dem Eröffnungsgebet einer Schwester und der Premiere des Films „SternenLicht“. Im folgenden Podiumsgespräch widmeten sich betroffene Eltern und die Vertreter der Hilfsorganisationen der Frage, wie Sternenkindereltern wahrgenommen werden, wie ihnen Wertschätzung, Offenheit und Liebe in den Begegnungen geschenkt und Unsicherheiten im Umgang miteinander beseitigt werden kann. Viele Fragen und Ergänzungen aus dem Publikum wurden durch die Moderatorin sehr einfühlsam in das Gespräch eingebunden.
Nach der Mittagspause fanden parallel mehrere Workshops statt, in denen sich die Teilnehmer aktiv einbringen konnten. Im Kern ging es immer wieder um die Frage, wie möglichst niederschwellig Angebote – auch in den Gemeinden - geschaffen werden können, die es den Familien ermöglicht, die Tabuzone um den frühen Tod des Kindes zu verlassen. Das können Gesprächskreise oder Erinnerungsgottesdienste sein, die die Trauernden begleiten oder den Sternenkindern sichtbar einen Platz in ihrer Gemeinde geben. Oder ganz schlicht der Familie eine fertige Mahlzeit zu bringen. Wünschenswert wäre, dass Ärzte, Hebammen, Seelsorger und Hilfsorganisationen zusammenwirken, um mit seelischem, rechtlichem und medizinischem Beistand den Familien zur Seite zu stehen und die Möglichkeiten aufzuzeigen, z.B. mit einer stillen Geburt und einem Begräbnis. Auch Jahrzehnte nach dem Tod des Kindes ist es möglich und hilfreich, eine einfühlsame Hilfe in der Trauer anzunehmen.
Wer sind die Trauernden? Die Antwort ist: alle, die sich auf dieses Kind gefreut haben. Es gilt in Liebe und Achtsamkeit jeden Trauernden seinen Weg gehen zu lassen. Manchmal braucht es jemand der zuhört oder der schweigt und einfach nur da ist. Wenn es nur einer der Betroffenen annehmen möchte, ist es das wert – es ist Seelsorge. Zur Trauer gehört – wenn möglich und gewünscht - auch die würdevolle Verabschiedung des Kindes, um zu danken, sich zu erinnern, zu lieben – und dem Sternenkind ein Gesicht zu geben, an das sich die Familie, die Gemeinde erinnern kann.
Den Abschluss der Vorträge und Workshops bildete ein Überblick der Stiftung „Dein Sternenkind“, die sich der Unterstützung der Familien durch Fotos von und mit dem Sternenkind widmen, um auf diese Weise Erinnerungen zu schaffen.
Der Tag wurde für die vielen Betroffenen, die nicht nach Hanau kommen konnten, per IPTV übertragen. Viele Eltern hatten im Vorfeld auch die Gelegenheit genutzt, für ihr verstorbenes Kind ein Herz gestalten zu lassen.
Andacht für die Sternenkinder
Als Höhepunkt dieses besonderen Tages fand eine Andacht statt, die ein ganz besonderes Gepräge hatte. Es strahlten hunderte von Lichtern am Altar als Gruß der Sternenkinder aus der Ewigkeit. Zum Lied des Ensembles „Weißt du wieviel Sternlein stehen“ brachten drei Schwestern die vielen, wunderschön gestalteten Herzen mit den Namen der Kinder an den Altar und stellten sie dort auf. Bewegende, ruhige Lieder, wie zum Beispiel „Gott bist du noch da, hörst du nicht mein Rufen“ wurden gemeinsam mit der großen Gemeinde gesungen. Tiefe Bewegung der Seele und eine herzliche Nähe zueinander entstand durch die Wortbeiträge und die Musik, die teils eigens für diesen Tag komponiert wurden. Zum Abschluss bildeten Apostel Kisselbach und vier Schwestern einen Gebetskreis, die den Süden, Norden, Osten und Westen Deutschlands symbolisch vertraten.
Die Andacht wurde per YouTube übertragen und aufgezeichnet. So konnten zusätzlich rund 2300 Teilnehmer live dabei sein. Die Andacht und der Film „SternenLicht“ sind über den nebenstehenden Link noch weiterhin verfügbar.
Neue Impulse
Dieser Tag hat Türen geöffnet, Impulse gegeben, um mit dem Thema Sternenkinder offener umzugehen und darüber zu sprechen. Er hat auch Verbindungen geschaffen zwischen Menschen, die sich vorher nicht kannten, verschiedenen Konfessionen angehören und sich mit Offenheit und Herzlichkeit begegnet sind. Die Liebe war das, was an diesem Tag immer wieder Thema und auch fühlbar war. Nun wünschen wir uns, dass viele der wertvollen Impulse zur Umsetzung kommen, damit in Zukunft Sternenkinderfamilien nicht mehr allein trauern müssen.
23. November 2024
Text:
aw
Fotos:
Marcel Felde,
Andreas Wagner
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